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Schwammerln für
die Kanzlerin

Schwammerln für die Kanzlerin

Von Bodenwöhr aus versorgt Josef Stahl den deutschsprachigen Raum mit Pilzen und Waldfrüchten. Doch seine Schwammerln und Preiselbeeren kommen nicht aus dem Oberpfälzer Wald, sondern aus Osteuropa. Mit einer ausgeklügelten Logistik ositioniert sich Stahl zwischen Ursprungsregion und Endverbraucher und achtet darauf, dass die Kühlkette nicht reißt.

Im August liefern jeden Tag rund zehn Sattelzüge frische Pilze und Beeren

Hat es im Sommer oder Herbst geregnet, dann gehen die Menschen im Oberpfälzer oder Bayerischen Wald „in die Schwammerln“. Denn bei feuchtwarmem Wetter schießen die Pilze aus dem Boden, wie schon das Sprichwort sagt. Der Rodinger Metzgermeister Josef Stahl hat den Handel mit Pilzen und Wildbeeren zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut. In Bodenwöhr, im Landkreis Schwandorf, hat die Stahl Wild, Pilze und Waldfrüchte GmbH ihren Betriebssitz. Handel und Gastronomie beliefert das Familienunternehmen mit frischer, tiefgekühlter, getrockneter oder zu Konserven verarbeiteter Ware. 1984 begann Stahl im Rodinger Ortsteil Neubäu seinen Handel mit Pilzen. Er betrieb eine Metzgerei, deren Spezialität Wild war. „Dazu wollten die Kunden frische Pilze“, so Stahl. Zunächst verkaufte er kleine Mengen aus der Region. Schnell wuchs das Geschäft und Stahl begann schon vor dem Fall des Eisernen Vorhangs Ware aus Südost- und Osteuropa zu importieren. 1998 machte er aus seinem Kleinbetrieb mit einem Satz ein mittelständisches Unternehmen. Aus einer Insolvenz kaufte er im Bodenwöhrer Industriegebiet das Grundstück samt den noch fast neuen Gebäuden und Anlagen eines Betriebs, der ebenfalls mit Pilzen handelte. Eine kluge Wahl, denn die Struktur des Areals war schon auf Wachstum ausgelegt, was der Firma Stahl bis heute zugute kommt. 2004 baute das Unternehmen ein neues, repräsentatives Bürogebäude. Einen entscheidenden Entwicklungsschritt machte Stahl im Jahr 2008: Im neu errichteten voll automatisierten Tiefkühllager finden seitdem rund 6.800 Paletten bei konstant minus 25 Grad Celsius Platz. Zum Ein- und Ausschleusen der Ware ist kein Personal nötig.

Elektronisch gesteuert werden die Paletten an ihren Platz im Hochregal befördert. „Niemand muss mehr mit dem Gabelstapler oder Hubwagen ins Kühlhaus fahren“, erklärt Stahls Tochter Manuela Blend, die als kaufmännische Leiterin neben ihrer Mutter, Schwester und ihren beiden Brüdern im Unternehmen arbeitet. Das kommt den Mitarbeitern entgegen, die sich der extremen Temperatur nicht mehr aussetzen müssen, spart vor allem aber Energie und verbessert die Kühlkette.

Frische Ware das ganze Jahr

Saison ist für die Firma Stahl im Frühling, Sommer und Herbst. Zur Hauptsaison im August liefern jeden Tag rund zehn Sattelzüge frische Pilze und Beeren an. „Sieben Tage die Woche“, wie Josef Stahl anmerkt. Dann beschäftigt die Firma bis zu 65 Leute. Über den Winter sind es heute immer noch rund 30, vor allem dank des Tiefkühllagers. „Früher haben wir im Winter ganz zu gemacht“, sagt Manuela Blend. Das Lager gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, in der Saison über den momentanen Bedarf einzukaufen und die Ware peu à peu das ganze Jahr hindurch zu verarbeiten. Rund 80 Prozent der gesamten Warenmenge machen die Pilze aus, 20 Prozent die Beeren. Tiefgekühlt verkauft Stahl heute rund die Hälfte seines Angebots. Zu je einem Viertel werden die Produkte frisch oder als Konserve gehandelt. „Durch die Bevorratung können wir auf das unterschiedliche Preisgefüge während des Jahres reagieren“, erklärt Blend. Über den Sommer sei der Markt zum Beispiel für frische Heidelbeeren schlecht, als Tiefkühlware erziele das Unternehmen derzeit hingegen gute Preise.

Bundesweit gibt es nur eine Hand voll Pilzhandelsbetriebe, zwei weitere kommen ebenfalls aus der Oberpfalz. Dennoch sieht sich die Firma Stahl in der Vertriebsregion Deutschland, Österreich und der Schweiz als führender Anbieter von Steinpilzen und Pfifferlingen. Insgesamt umfasst das Sortiment die 15 gängigsten Speisepilzsorten, sowohl aus dem Wald wie aus der Kultur. Nachdem Pilze in der Regel ausschließlich in enger Lebensgemeinschaft mit bestimmten Pflanzen gedeihen, lassen sich aber nur wenige Arten mit Erfolg züchten. Der Kulturchampignon, der häufigste Pilz auf deutschen Tellern, und der Austernpilz gehören dazu. Alle anderen Arten werden von Hand im Wald gesammelt. Das ist in Deutschland allerdings nur für den Eigenverbrauch zulässig. Deshalb importiert das Bodenwöhrer Unternehmen seine Ware aus der ganzen Welt, bevorzugt aus den Staaten im Südosten und Osten Europas, insbesondere Russland. Selbst aus dem hintersten Winkel Sibiriens landen frische Pilze im Sommer binnen maximal sieben Tagen auf dem Teller der Verbraucher.

© STAHL Wild, Pilze & Waldfrüchte GmbH, Stand der Informationen: 2011            weiter zu Teil 2 "Schwammerl für die Kanzlerin" >