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Hat es im Sommer oder Herbst geregnet,
dann gehen die Menschen im Oberpfälzer oder Bayerischen Wald
„in die Schwammerln“. Denn bei feuchtwarmem Wetter schießen
die Pilze aus dem Boden, wie schon das Sprichwort sagt. Der
Rodinger Metzgermeister Josef Stahl hat den Handel mit Pilzen
und Wildbeeren zu einem erfolgreichen Unternehmen ausgebaut.
In Bodenwöhr, im Landkreis Schwandorf, hat die Stahl Wild,
Pilze und Waldfrüchte GmbH ihren Betriebssitz. Handel und
Gastronomie beliefert das Familienunternehmen mit frischer,
tiefgekühlter, getrockneter oder zu Konserven verarbeiteter
Ware. 1984 begann Stahl im Rodinger Ortsteil Neubäu seinen
Handel mit Pilzen. Er betrieb eine Metzgerei, deren Spezialität
Wild war. „Dazu wollten die Kunden frische Pilze“, so Stahl.
Zunächst verkaufte er kleine Mengen aus der Region. Schnell
wuchs das Geschäft und Stahl begann schon vor dem Fall des
Eisernen Vorhangs Ware aus Südost- und Osteuropa zu importieren.
1998 machte er aus seinem Kleinbetrieb mit einem Satz ein
mittelständisches Unternehmen. Aus einer Insolvenz kaufte
er im Bodenwöhrer Industriegebiet das Grundstück samt den
noch fast neuen Gebäuden und Anlagen eines Betriebs, der ebenfalls
mit Pilzen handelte. Eine kluge Wahl, denn die Struktur des
Areals war schon auf Wachstum ausgelegt, was der Firma Stahl
bis heute zugute kommt. 2004 baute das Unternehmen ein neues,
repräsentatives Bürogebäude. Einen entscheidenden Entwicklungsschritt
machte Stahl im Jahr 2008: Im neu errichteten voll automatisierten
Tiefkühllager finden seitdem rund 6.800 Paletten bei konstant
minus 25 Grad Celsius Platz. Zum Ein- und
Ausschleusen der Ware ist kein Personal nötig.
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Elektronisch gesteuert werden
die Paletten an ihren Platz im Hochregal befördert. „Niemand
muss mehr mit dem Gabelstapler oder Hubwagen ins Kühlhaus
fahren“, erklärt Stahls Tochter Manuela Blend, die als kaufmännische
Leiterin neben ihrer Mutter, Schwester und ihren beiden Brüdern
im Unternehmen arbeitet. Das kommt den Mitarbeitern entgegen,
die sich der extremen Temperatur nicht mehr aussetzen müssen,
spart vor allem aber Energie und verbessert die Kühlkette.
Frische Ware das ganze
Jahr
Saison ist für die Firma
Stahl im Frühling, Sommer und Herbst. Zur Hauptsaison im August
liefern jeden Tag rund zehn Sattelzüge frische Pilze und Beeren
an. „Sieben Tage die Woche“, wie Josef Stahl anmerkt. Dann
beschäftigt die Firma bis zu 65 Leute. Über den Winter sind
es heute immer noch rund 30, vor allem dank des Tiefkühllagers.
„Früher haben wir im Winter ganz zu gemacht“, sagt Manuela
Blend. Das Lager gibt dem Unternehmen die Möglichkeit, in
der Saison über den momentanen Bedarf einzukaufen und die
Ware peu à peu das ganze Jahr hindurch zu verarbeiten.
Rund 80 Prozent der gesamten Warenmenge machen die Pilze aus,
20 Prozent die Beeren. Tiefgekühlt verkauft Stahl heute rund
die Hälfte seines Angebots. Zu je einem Viertel werden die
Produkte frisch oder als Konserve gehandelt. „Durch die Bevorratung
können wir auf das unterschiedliche Preisgefüge während des
Jahres reagieren“, erklärt Blend. Über den Sommer sei der
Markt zum Beispiel für frische Heidelbeeren schlecht, als
Tiefkühlware erziele das Unternehmen derzeit hingegen gute
Preise.
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Bundesweit gibt es nur eine Hand
voll Pilzhandelsbetriebe, zwei weitere kommen ebenfalls aus
der Oberpfalz. Dennoch sieht sich die Firma Stahl in der Vertriebsregion
Deutschland, Österreich und der Schweiz als führender Anbieter
von Steinpilzen und Pfifferlingen. Insgesamt umfasst das Sortiment
die 15 gängigsten Speisepilzsorten, sowohl aus dem Wald wie
aus der Kultur. Nachdem Pilze in der Regel ausschließlich
in enger Lebensgemeinschaft mit bestimmten Pflanzen gedeihen,
lassen sich aber nur wenige Arten mit Erfolg züchten. Der
Kulturchampignon, der häufigste Pilz auf deutschen Tellern,
und der Austernpilz gehören dazu. Alle anderen Arten werden
von Hand im Wald gesammelt. Das ist in Deutschland allerdings
nur für den Eigenverbrauch zulässig. Deshalb importiert das
Bodenwöhrer Unternehmen seine Ware aus der ganzen Welt, bevorzugt
aus den Staaten im Südosten und Osten Europas, insbesondere
Russland. Selbst aus dem hintersten Winkel Sibiriens landen
frische Pilze im Sommer binnen maximal sieben Tagen auf dem
Teller der Verbraucher.
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